Island ist atemberaubend, doch die Natur verzeiht keine Leichtsinnigkeit. Das Wetter kann in Minuten umschlagen, die Straßen sind anspruchsvoll und viele Besucher unterschätzen die Bedingungen. Mit der richtigen Vorbereitung reist du das ganze Jahr sicher. Merke dir vor allem eine Nummer: der Notruf ist 112 und erreicht Polizei, Rettungsdienst und Bergrettung gleichermaßen.
Wetter – immer zuerst prüfen
Islands Wetter ist berüchtigt unberechenbar und kann an einem Tag von Sonnenschein zu Sturm wechseln. Bevor du losfährst, prüfe stets vedur.is für Vorhersage und Warnungen und safetravel.is für Straßen- und Wanderbedingungen.
- Der Wind kann so stark sein, dass er dir die Autotür aus der Hand reißt – halte die Tür beim Öffnen immer gut fest, sonst wird sie verbogen oder ganz abgerissen.
- Orange und rote Warnstufen bedeuten echte Gefahr. Verschiebe deine Pläne, solange sie gelten, und vertraue dem Rat der Einheimischen.
- Kleide dich im Zwiebelprinzip: Wollunterwäsche, warme Zwischenschicht und wind- sowie wasserdichte Außenschicht. Mütze, Handschuhe und feste Wanderschuhe machen einen großen Unterschied.
- Regen und Schneeregen bei horizontalem Wind kühlen den Körper schnell aus; unterschätze die Gefahr einer Unterkühlung nicht, selbst im Sommer.
Autofahren – die Straßen respektieren
Ein Mietwagen bietet die größte Freiheit, doch Fahren in Island erfordert Aufmerksamkeit. Viele Straßen sind Schotterpisten, Kuppen sind häufig und die Bedingungen ändern sich schnell.
- F-Straßen im Hochland erfordern einen Allradantrieb (4x4). Normale Pkw dürfen sie nicht befahren und die Versicherung deckt Schäden nicht ab.
- Im Hochland gibt es unbrückte Flussdurchfahrten. Schätze Tiefe und Strömung ein, fahre langsam und nie allein; bist du im Zweifel, kehre um.
- Viele Brücken sind einspurig. Wer näher ist, hält an oder wartet; nimm dir Zeit und achte auf Gegenverkehr.
- Schotter und lose Steine verlangen langsameres Fahren, besonders in Kurven und am Bankett, wo das Auto ausbrechen kann.
- Fahren abseits der Wege ist illegal und zerstört empfindliche Natur, die Jahrzehnte zur Erholung braucht. Die Bußgelder sind hoch und werden streng kontrolliert.
- Fahre stets mit eingeschaltetem Licht – das ist Vorschrift, Tag und Nacht – und lege auf allen Sitzen den Gurt an.
Reynisfjara und das Meer
Der schwarze Sandstrand Reynisfjara ist überwältigend, aber gefährlich. Er ist bekannt für Kenterwellen (sneaker waves), die ohne Vorwarnung weit den Strand hinaufschießen und Menschen ins kalte Meer ziehen können. Hier gab es tödliche Unfälle. Halte großen Abstand zum Wasser, kehre den Wellen nie den Rücken zu und beachte das Warnlichtsystem vor Ort.
Wandern
Islands Wildnis ist ideal zum Wandern, doch Vorbereitung ist alles, und die Bedingungen können sich in den Bergen rasch verschlechtern.
- Hinterlege einen Reiseplan auf safetravel.is, bevor du aufbrichst, damit die Rettungskräfte wissen, wo du bist.
- Lade die App 112 Iceland herunter – sie sendet deinen Standort mit einem Tippen an die Rettungskräfte.
- Nimm Proviant, Wasser, warme Kleidung, Kompass oder GPS und ein voll geladenes Handy mit.
- Kehre um, wenn das Wetter schlechter wird – der Berg bleibt am nächsten Tag an seinem Platz.
- Der Handyempfang kann im Hochland lückenhaft sein; verlasse dich nicht allein auf das Telefon.
Winter, Eis und Dunkelheit
Im Winter ist es nur kurz hell – im Dezember teils nur vier bis fünf Stunden. Straßen werden vereist und glatt, mit versteckten Eisflächen im Schatten. Fahre langsam, nutze Spikereifen und plane deine Fahrten so, dass du dein Ziel vor Einbruch der Dunkelheit erreichst. Bleibst du stecken, bleib im Auto und rufe 112.
Geothermalgebiete, Gletscher und Gas
- In Geothermalgebieten wie Geysir und Hverir bleibe auf den markierten Wegen – der Boden kann dünn und das Wasser knapp unter der Oberfläche kochend heiß sein.
- Betrete Gletscher nie ohne erfahrenen Guide und passende Ausrüstung; Spalten sind unter dem Schnee verborgen.
- Nahe Ausbrüchen und heißen Quellen kann sich gefährliches Gas ansammeln; respektiere Sperrungen und folge offiziellen Anweisungen.
- Bei Sand- und Aschestürmen kann die Sicht im Nu verschwinden; warte an einem sicheren Ort ab.
Versicherung und Vorbereitung
Habe eine gute Reiseversicherung, die Rettung und ärztliche Hilfe abdeckt. Halte Notrufnummern, den Standort deiner Unterkunft und deinen Plan griffbereit. Mit gesundem Menschenverstand, der richtigen Ausrüstung und Respekt vor der Natur wird deine Islandreise sicher und unvergesslich.