Wenige Orte der Erde bieten Fotografen so viel Vielfalt wie Island: Wasserfälle, Gletscher, schwarze Strände und ein Himmel, der von Polarlichtern brennt. Hier sind die besten Locations, dazu praktische Ratschläge, um das Bild wirklich einzufangen — denn ein großartiges Foto hängt ebenso von der Vorbereitung wie vom Glück ab.
Die ikonischen Orte
- Kirkjufell auf der Halbinsel Snæfellsnes — der berühmteste Berg des Landes, meist mit dem kleinen Wasserfall Kirkjufellsfoss im Vordergrund. Im Winter tanzen die Polarlichter oft über dem Gipfel.
- Stokksnes und Vestrahorn — ein zerklüfteter Gipfel, gespiegelt im nassen schwarzen Sand. Am besten bei Ebbe und in weichem Licht, früh am Morgen oder spät am Abend.
- Reynisfjara — ein schwarzer Strand mit Basaltsäulen und den Felsnadeln Reynisdrangar. Halte beim Fotografieren sicheren Abstand zum Wasser.
- Jökulsárlón und der Diamond Beach — Eisberge, die in der Lagune treiben, und glitzernde Eisstücke auf dem schwarzen Sand jenseits der Straße. Eine lange Belichtung zeigt die Bewegung des Eises.
Wasserfälle und Polarlichter
Skógafoss und Seljalandsfoss gehören zu den schönsten Wasserfällen des Landes — am Seljalandsfoss kannst du für eine ungewöhnliche Perspektive hinter den Wasservorhang treten. Für Nordlichter brauchst du Dunkelheit, klaren Himmel und keine Lichtverschmutzung; Þingvellir, Kirkjufell und die Südküste eignen sich alle gut. Beachte die Polarlichtvorhersage auf vedur.is und bring Geduld mit — mitunter wartest du stundenlang.
Das Hochland und die blaue Stunde
Das Hochland — Landmannalaugar, Þórsmörk, Kerlingarfjöll — bietet regenbogenfarbene Berge und weite Horizonte, aber nur im Sommer, wenn die F-Straßen offen sind. In Reykjavík ist die blaue Stunde magisch: Harpa, der Hafen und die Hallgrímskirkja in tiefblauem Schimmer kurz vor Sonnenaufgang oder nach Sonnenuntergang. Im Winter hält dieses weiche Licht stundenlang an.
Eishöhlen und Winteraufnahmen
Im Winter öffnen sich blaue Eishöhlen unter dem Vatnajökull. Geh niemals allein — buche eine Tour mit einem lizenzierten Guide, denn die Höhlen sind gefährlich und der Zugang ändert sich von Jahr zu Jahr. Im Inneren brauchst du einen hohen ISO-Wert und ein stabiles Stativ, denn das Licht ist schwach, die Farben aber überwältigend.
Technische Tipps
- Stativ — unverzichtbar für Wasserfälle, blaue Stunde und Polarlichter. Wähle ein stabiles Modell, das dem Wind standhält, und hänge deinen Rucksack daran, um es zu beschweren.
- ND-Filter — um Wasser und Wolken bei Tageslicht zu glätten. Ein Polfilter reduziert Reflexe und vertieft die Farben.
- Polarlicht-Einstellungen — Weitwinkel, Blende f/2.8, ISO 1600–3200, Belichtung 5–15 Sekunden. Manuell auf unendlich fokussieren und einige Testbilder machen.
- Goldene und blaue Stunde — das weichste Licht kommt kurz nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang; im Winter steht die Sonne den ganzen Tag tief.
- Wetter-Apps — vedur.is für Wetter und Polarlichtvorhersage, safetravel.is für die Bedingungen und Sperrungen.
- Zusatzausrüstung — nimm Ersatzakkus mit (Kälte entlädt sie schnell), ein Tuch, um Gischt vom Objektiv zu wischen, und warme Handschuhe.
Die besten Jahreszeiten zum Fotografieren
Der Sommer bringt die Mitternachtssonne, wenn die goldene Stunde fast die ganze Nacht andauert — ideal für Landschaften und Vogelwelt. Herbst und Winter sind die Zeit der Polarlichter, schneebedeckter Berge und Eishöhlen, doch das Tageslicht ist knapp, weshalb Planung alles ist. Der Frühling eignet sich für Wasserfälle in voller Kraft, wenn der Schnee schmilzt. Jede Jahreszeit hat ihren eigenen Charakter — wähle nach dem, was du am liebsten fotografieren möchtest.
Weitere Orte, die den Umweg lohnen
Jenseits der bekanntesten Orte verbergen sich viele Juwelen. Goðafoss und Aldeyjarfoss im Norden sind prächtige Wasserfälle, gerahmt von Basalt, und Kerið ist ein leuchtend blauer Krater am Golden Circle. Brúarfoss betört mit seinem türkisfarbenen Wasser, und der Hverfjall am Mývatn bietet einen weiten Ausblick. Nimm dir Zeit, dort zu halten, wo kaum jemand anhält — oft entstehen die besten Aufnahmen dort, wo sonst niemand steht.
Respektiere die Landschaft
Bleib auf markierten Wegen, tritt niemals auf das Moos, das Jahrzehnte zum Wachsen braucht, und stelle die Sicherheit an erste Stelle. Der Einsatz von Drohnen ist an vielen Orten verboten, informiere dich also vorher über die Regeln. Kein Foto ist es wert, dein Leben zu riskieren oder das Land zu beschädigen. Hinterlasse jeden Ort so, wie du ihn vorfinden möchtest — unberührt für den nächsten Fotografen.